OEHI

Das Österreichische Historische Institut Rom

Das Österreichische Historische Institut in Rom ist, neben dem Österreichischen Archäologischen Institut mit seinen Zweigstellen in Athen und Kairo, die bedeutendste geisteswissenschaftliche Einrichtung der Republik Österreich im Ausland. Mit 1. Jänner 2012 wurde das Institut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften angegliedert.
In Rom, traditionell eines der bedeutendsten internationalen Zentren historischer und humanistischer Forschung, gehört das ÖHI-Rom (Österreichisches Historisches Institut) – gegründet bereits im Jahre 1881 – zu den renommiertesten seiner Art.
Die wissenschaftlichen Aktivitäten des Historischen Instituts beziehen sich nicht nur auf die Projekte einzelner Mitarbeiter, sondern binden auch Projekte österreichischer Forscher sowie europäischer Fachkollegen mit ein und repräsentieren ein breites Spektrum folgender Disziplinen: Geschichte (Alte Geschichte, Mediävistik, Neuzeit- und Zeitgeschichte), Kunstgeschichte, Archäologie, Klassische Philologie, Byzantinistik, Romanistik, Musikwissenschaft, Theaterwissenschaft, Politische Wissenschaften und Rechtsgeschichte (hier vor allem Antike und Kanonische Rechtsgeschichte). Innerhalb dieses breiten Fächerspektrums vergibt das ÖHIRom jährlich eine begrenzte Anzahl von Stipendien zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.
Zur Zeit sind die Fächer Mediävistik und Klassische Archäologie durch die wissenschaftlichen Mitarbeiter sowie die Geschichte der späteren Neuzeit durch den Direktor vertreten.
Die in Rom nahezu einzigartigen Voraussetzungen zur historischen Grundlagenforschung haben seit der Gründung des Institutes dessen Aufgaben maßgeblich bestimmt und die unterschiedlichen Projekte der einzelnen Mitarbeiter in den letzten 130 Jahren der Forschung auch nachhaltig beeinflusst.
Eine beachtliche Zahl von Publikationen, erschienen in den verschiedenen Reihen, aber auch in der jährlich erscheinenden, nach den internationalen Standards des peer-review-Verfahrens begutachteten Zeitschrift Römische Historische Mitteilungen des Institutes, belegen anschaulich die Bandbreite wissenschaftlicher Interessen, wobei sowohl inhaltliche Dichte als auch akademische Zielsetzung von bestimmender Bedeutung sind.
Ein unverzichtbares Instrumentarium wissenschaftlicher Forschungstätigkeit stellt auch die umfangreiche Bibliothek des Institutes dar, deren kulturgeschichtliche, historische und literarische Bestände sowohl dem Historischen Institut als auch dem Österreichischen Kultuforum angehören. Mit ihren ca. 100.000 Bänden (der Bestand, inzwischen elektronisch vollständig erfasst und größtenteils auch beschlagwortet, ist unter www.web.reteurbs.org im Internet abrufbar) ist die Bibliothek unverzichtbares Instrumentarium für die wissenschaftliche Forschungstätigkeit am Institut; sie bietet zahlreiche und unterschiedlichste Informationen zu Geschichte, Kultur und Geographie Österreichs, verfügt aber auch im besonderen über umfangreiche Bestände zu den verschiedenen Aspekten der am Institut beheimateten Forschungsinteressen. Im Bestand der Bibliothek befinden sich auch drei sehr bedeutende Nachlässe: Der Nachlass „Caracciolo“ zu Themen der Psychoanalyse und Humanwissenschaften, der Nachlass "Valsecchi" zu Themen des Risorgimento sowie der Nachlass „Glesser“ zu Themen der Linguistik und europäischen bzw. außereuropäischen Literaturwissenschaft.
Das Institut arbeitet regelmäßig und intensiv mit den verschiedensten österreichischen und italienischen bzw. in Italien präsenten Forschungseinrichtungen zusammen.

Für eine ausführliche Institutsgeschichte s.
Karl Rudolf, Geschichte des Historischen Instituts in Rom 1881–1938. Römische Historische Mitteilungen 23 (1981), 1–137;
Heinrich Schmidinger, Die historischen Studien und deren Abteilung am Österreichischen Kulturinstitut in Rom nach dem Zweiten Weltkrieg. Römische Historische Mitteilungen 23 (1981), 139–179.

Zum Institutsgebäude s.
Inge Podbrecky, Das österreichische Institutsgebäude in Rom: Architektur und Identität. Römische Historische Mitteilungen 52 (2010), 323–371;
Georg Steinmetzer, Gebaute Außenpolitik 1937: Das österreichische Kulturinstitut und die Kriegerkapelle von Santa Maria dell'Anima in Rom. Römische Historische Mitteilungen 57 (2015), 131–196, bes. 131–163.

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