Faschistisches Italien und Österreich

Ziel des Projekts ist die Rekonstruktion der grundlegenden Entwicklungslinien der Politik des faschistischen Italien gegenüber Österreich vom Regierungsantritt Dollfuß‘ im Jahre 1932 bis zum Zusammenbruch des Mussolini-Regimes im Jahre 1943. Methodisch wird hierbei von einer vergleichenden Betrachtung österreichischer und italienischer Archivquellen ausgegangen.
Im Mittelpunkt der Analyse stehen einige immer noch kontroversielle und historiographisch unzureichend geklärte Aspekte der italienisch-österreichischen Beziehungen dieser Jahre. Dazu zählen die Haltung der italienischen Regierung zu einer möglichen Restauration der Habsburgerherrschaft, vor allem aber die politischen und ideologischen Beziehungen zwischen italienischem Faschismus und christlich-sozialem Autoritarismus sowie der Einfluss des Hl. Stuhls auf die italienisch-österreichischen Beziehungen. Von großer Bedeutung ist hierbei die Analyse der Haltung des faschistischen Italien in den Entwicklungsphasen vor und nach dem Anschluss, vor allem in seinen Auswirkungen auf die österreichische Bevölkerung und hinsichtlich der Haltung der politischen Führungsschicht Italiens zur Nazifizierung der österreichischen Gesellschaft nach 1938. Von besonderem Interesse für die Forschung sind hierbei der Umgang Roms mit den aus Österreich kommenden politischen Gegnern des Nazi-Regimes sowie die italienische Haltung zur Judenverfolgung in Österreich. Untersucht wird auch die Positionierung der faschistischen italienischen Politik im Spannungsverhältnis zwischen Hl. Stuhl, österreichischem Katholizismus und Hitlerdeutschland.
Ziel des Forschungsprojekts ist die Ausarbeitung einer Monographie. Hierfür dient ein zweimonatiger Studienaufenthalt in Wien – gefördert von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften –, der der Erschließung von Quellen zu den italienisch-österreichischen Beziehungen im Österreichischen Staatsarchiv dient, wobei vor allem die Bestände des Archivs der Republik aus den Jahren 1932-1938 bearbeitet werden. Darüber hinaus sollen Memoiren, die politische Publizistik sowie die historische österreichische Sekundäriteratur zum Thema untersucht werden, die in Italien kaum greifbar ist.

Begleitveranstaltungen:
Sommersemester 2016: Seminar an der Universität Wien zur italienischen Außenpolitik im 19. und 20 Jahrhundert, mit besonderer Berücksichtigung Österreichs (gemeinsam mit Andreas Gottsmann).
5. Mai 2017: Abschlusstagung „Politische Ideologien im 20. Jahrhundert – Österreich und Italien“ in Zusammenarbeit zwischen dem Österreichischen Historischen Institut und dem Dipartimento di Scienze politiche der Universität Bari.

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