Morphologien – Die Architektur Michelangelos in der Werkstatt Thomas Groneggers

Rom, Museo Hendrik Christian Andersen, 3. Oktober – 22. November 2001
Die Ausstellung wurde organisiert vom Österreichischen Historischen Institut Rom in Zusammenarbeit mit der Galleria Nazionale d’Arte Moderna e Contemporanea und der Facoltà di Architettura “Valle Giulia” der Università degli Studi “La Sapienza”.

Der Künstler Thomas Gronegger wurde 1965 in München geboren; er lebt, lehrt und arbeitet in Österreich. In dieser Ausstellung zeigt er eine Reihe von Zeichnungen, Fotostrecken und dreidimensionalen Objekten, die auf seiner scharfen Beobachtung der Meisterwerke Michelangelos und anderer Protagonisten der Renaissance- und Barockarchitektur gründen. Die Systematik des Materials, das Ausstellungskonzept und seine Umsetzung sind ihrerseits ein bedeutungsreiches Kunstwerk, das abseits der eingefahrenen akademischen Wege und Methoden eine anregende Lesung der Monumente bietet.

In seiner „Werkstatt“ widmet sich Thomas Gronegger unorthodoxen Studien, bewegt sich auf dem Grat zwischen strenger morphologischer Analyse und der Erforschung von Gestaltungsprinzipien, die auf eine umfassendere Kenntnis künstlerischer Grundlagen abzielt. Wiederholte und tiefgreifende Beobachtungen vor Ort haben es dem Künstler ermöglicht, eine profunde Stellungsnahme zu den plastischen und räumlichen Qualitäten und vor allem zu ihrer systematischen Anwendung auf die geläufigen Elementen der Syntax und der Ornamentik abzugeben.

Im Brennpunkt der Arbeiten Groneggers standen das Kapitol, Sankt Peter und die Biblioteca Laurenziana, die analytischen Untersuchungen erstrecken sich aber auch auf einige antike Prototypen sowie auf beonders charakteristische Beispiele der römischen Barockarchitektur.
Das Resultat dieser faszinierenden ‚Reise‘ ist eine große Bandbreite von analytischen Experimenten und Werken; mit ihrer strengen Methodik und zugleich ihrer künstlerischen Subtilität bezeugen sie die außerordentliche Fähigkeit Groneggers zu Beobachtung, Vertiefung und Verständnis.

Für den ‚gewöhnlichen‘ Besucher der Ausstellung sind die Exponate Mittel zur Annäherung und Interpretation; die Architekturhistoriker werden zu Vergleich, Verfeinerung und Bereicherung ihrer kritischen Methoden stimuliert. Von der Bewusstmachung der gestalterischen Entwicklung eines Architekten der Vergangenheit können die heutigen Berufskollegen fruchtbare Anregungen für eine selbstkritische Betrachtung ihrer Entwurfskriterien und ihrer ideologischen Position gegenüber den grundlegenden Fragen zeitgenössicher Architektursprache erhalten. Die Ausstellung sollte daher als eine spannende Lehrstunde über Theorie gesehen werden, die von einem praxiserfahrenen, sensiblen und neugierigen Künstler gehalten wird.

 

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